Ernährung und Gesundheit

Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder

29. Juni 2015
von Ulrike Gonder
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Essen und Stress

Bei Stress auch noch über das Essen nachdenken? Was für viele grausam klingt, verspricht jedoch Abhilfe. Denn gerade im Stress braucht der Körper eine gute Ernährung. Warum das so ist und wie es sich relativ einfach umsetzen lässt, steht in meinem aktuellen Artikel in der Saarbrücker Zeitung vom 26.6.2015. Hier der Link zur pdf-Datei: SaarbZStressEssenSZ-20150626-DWOH_4-S26.

Eier

9. März 2015
von Ulrike Gonder
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Mehr Fett, Freispruch für Vollmilch und Ei

Ende Februar luden mehrere Fettfachgesellschaften zur Fortbildung nach Frankfurt ein. Das war ein sehr interessantes Meeting, denn endlich wurden auch dort wenigstens Teile all der Erkenntnisse der letzten Jahre vorgetragen, die das Ende der Kohlenhydrat-Ära eingeläutet haben. Interessant war auch, wie man damit umgeht: Man fand es “ungünstig für die Ernährungsberatung”. Das lässt tief blicken.

Zudem passiert jetzt genau das, was immer passiert, wenn ein Dogma fällt: Nachdem die fettarme, kohlenhydratreiche Ernährung lange mit Zähnen und Klauen verteidigt wurde, hört man nun immer öfter, man möge bitte keine Fette durch Kohlnehydrate ersetzen. Natürlich sagt jetzt keiner mehr dazu, dass dies 40 Jahre lang genau die Empfehlung der Fachgesellschaften war. Das heißt: Das Dogma “fettarm, kohlenhydratreich” fällt nun endlich auch “offiziell”  – es sagt nur noch keiner. So finden sich die “neuen” Erkenntnisse auch noch nicht in der Umsetzung der neuen Fettleitlinie der DGE – noch nicht!

Wie man die Empfehlung “Mehr Fett” noch verpackt und wie man um den Freispruch für Vollmilch und Ei noch herumeiert, kann in meinem Artikel über die Fortbildung in Sachen Fett, Herz und Gefäße für Ernährungswissenschaftler und Ernährungsmediziner in der Saarbrücker Zeitung (SaarbZ-FetttagungMärz2015) nachgelesen werden.

Milchglas

6. Februar 2015
von Ulrike Gonder
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Gesättigte Fettsäuren auch für Herzpatienten unproblematisch

Es spricht sich auch in der Wissenschaftlergemeinde allmählich herum, dass die gesättigten Fettsäuren etwa aus Vollmilch, Butter oder Fleisch doch nicht das bewirken, was man ihnen jahrzehntelang nachsagte: Sie bringen die Leute nicht um und machen auch keinen Herzinfarkt. Norwegische Forscher (Puaschitz et al., J Nutr 2015;145:299-305) haben nun erstmals bei Herzpatienten, die nach den aktuellen Regeln behandelt werden (Statine), untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Krankheitsverlauf und dem Konsum gesättigter Fettsäuren gibt. Ihr Ergebnis: “Bei Patienten mit manifesten Erkrankungen der Koronararterien fand sich keine Verbindung zwischen der Aufnahme gesättigter Fettsäuren mit der Nahrung und dem Auftreten koronarer Ereignisse oder der Sterblichkeit.” Es sei sogar ein positiver Effekt eines hohen Konsums gesättigter Fettsäuren möglich, zumindest in Untergruppen. Es müsse darüber “spekuliert” werden, ob die gängige Empfehlung, die Zufuhr gesättigter Fettsäuren auf 7 bis 10% der Energiezufuhr zu beschränken, für diese Patienten überhaupt angemessen ist.

Meiner Meinung nach muss diese Empfehlung generell hinterfragt werden, denn sie gilt ja “offiziell” auch für alle Gesunden und für Kinder ab 2 Jahre.

Foto

23. Dezember 2014
von Ulrike Gonder
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Sind manche Diäten “Massenmord”?

Die Weihnachtsausgabe des British Medical Journal ist legendär, denn sie vereint auf unterhaltsamste Weise Wissenschaft mit (britischem) Humor, Weit- und Einsicht. Diesmal gab es auch (wieder) klare Worte und Nachdenklichmachendes: So lässt schon der Titel des Beitrags von Richard Smith “Sind manche Diäten `Massenmord´?” aufhorchen. Neben viel Bekanntem – sofern man das hervorragende Buch “The big fat surprise” von Nina Teicholz gelesen hat – fand ich, dass die abschließenden Sätze auch ein gutes Schlusswort für das Jahr 2014 abgeben: Einige wichtige Ernährungsbücher und Originalarbeiten zum Thema Ernährung und Gesundheit gelesen zu haben, so Smith, sei eine ernüchternde Erfahrung gewesen.  Denn der erfolgreiche (!) Versuch, das Fett in der amerikanischen und  in der Kost vieler anderer Länder weltweit zu vermindern, sei  “ein globales, unkontrolliertes Experiment” gewesen, das sehr wohl zu “schlechten Resultaten” geführt haben könnte. Smith schließt mit den Worten, es sei jetzt “sicher Zeit für eine bessere Wissenschaft und für mehr Demut bei den Experten”.

In diesem Sinne und mit aller Demut aber auch Neugier auf das, was 2015 bringen wird, wünsche ich allen Unterstützern, Freunden, Kunden und Partnern ein “fettes”, fröhliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr!

2. September 2014
von Ulrike Gonder
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Low-Carb-Diät erneut überlegen

Wer eine Diät einhält, um abzunehmen, möchte am Ende nicht nur schlanker, sondern auch gesünder sein. Während sich langsam herumspricht, dass man mit kohlenhydratreduzierten (low-carb) Diäten in der Regel besser abnimmt – mehr Kilos und vor allem mehr Fett – sorgen sich viele noch um die Herzgesundheit der erfolgreich Abgespeckten. Denn wer weniger Kohlenhydrate isst, verspeist dafür meist etwas mehr Fett und/oder Eiweiß. Daher untersuchte ein Forscherteam von der Tulane-Universität im amerikanischen New Orleans, ob sich eine kohlenhydratarme Diät im Vergleich mit dem Fettsparen ungünstiger auf die Risikofaktoren für  Herz und Gefäße auswirkt. Das Gegenteil war der Fall, wie das Team um Lydia Bazzano soeben im Fachblatt Annals of Internal Medicine (2014;161:309-318) berichtet. Weiterlesen →

19. August 2014
von Ulrike Gonder
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Bitte keine Salz-Panik

Derzeit wird wieder vehement vor Salz gewarnt und mit allerlei Modellrechnungen versucht, uns vom Salzstreuer zu entwöhnen. Zwar finde ich auch, dass es wunderbare Gewürze und Kräuter gibt und dass man auf die vielen Fertigprodukte mit verstecktem Salz gut verzichten kann. Allerdings gehen mir die pauschalen Warnungen vor dem Salz eindeutig zu weit, weil deren Nutzen keineswegs belegt ist! Zudem benötigen z. B. Bäcker eine gewisse Menge Salz für die Teigstruktur. Es lässt sich eben nicht ohne Weiteres ein salzarmes Vollkornbrot backen, zumindest keins, das schmeckt. Weil die Diskussion nicht neu ist und die Argumente sich anhand neuer Modellrechnungen im Prinzip nur wiederholen, erlaube ich mir, meinen Artikel über das Salz vom vorletzten Jahr noch einmal zu posten: Salzartikel Saarbrücker Zeitung August 2012 .

18. Juli 2014
von Ulrike Gonder
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Abnehmen: Fett- und Eiweiß egal, Hauptsache weniger Kalorien?

Im April veröffentlichte die Deutsche Adipositas-Gesellschaft ihre neue Leitlinie zur Vorbeugung und Behandlung des starken Übergewichts. Sie war lange erwartet worden, da es eine Reihe neuer Erkenntnisse einzuarbeiten galt. Positiv ist denn auch zu bewerten, dass nun endlich empfohlen wird, die Patienten individuell zu beraten und nicht alle nach Schema F. Erfreulicherweise gesteht die  Leitlinie nun auch erstmals zu, dass zur Gewichtsreduktion auch kohlenhydratreduzierte Kostformen eingesetzt werden können. Schlagzeilen macht die Leitlinie nun aber vor allem durch einen  gravierenden Fehlschluss: dass zum Abnehmen ausschließlich eine verminderte Kalorienzufuhr wichtig sei und dass es nicht auf den Anteil von Eiweiß, Fetten und Kohlenhydraten ankomme. Prompt meldete unter anderem die Ärzte Zeitung, die neue  Leitlinie bringe einen “Diät-Mythos zu Fall”.

Mein Senf dazu

Rückfall ins tiefste Mittelalter der Abnehmerei – als hätte sich das  Kalorienzählen bewährt! Wie kommt es zu dieser Fehleinschätzung? Die Leitlinie bezog in ihre Beurteilung der verschiedenen Diätweisen nur jene Studien ein, bei denen die Kalorienzufuhr für alle festgelegt war. Studien, in denen man kalorienbeschränkte, fettarme Diäten mit kohlenhydratreduzierten Diäten ohne Kalorienbeschränkung (ad libitum) verglichen hatte, zeigen jedoch, dass die Kohlenhydratreduktion vorteilhafter ist: Die Menschen werden besser satt (wegen des höheren Eiweißanteils), sie bleiben länger dabei (wegen des besseren Geschmacks durch den höheren Fettanteil) und nehmen so nicht nur mehr ab, sondern verlieren auch mehr Fettmasse, erhalten mehr Muskelmasse und zeigen bessere Laborwerte (z. B. Triglyzeride, HDL-Cholesterin, Nüchterninsulin, Entzündungsmarker).

Was will man mehr, möchte man da entzückt ausrufen: den Leuten schmeckt´s, sie reduzieren ihren Fettanteil und ihre Risikoparameter sinken. Doch das scheint den Leitlinien-schreibenden Fachgesellschaften und ihren Claqeuren egal zu sein.

Quellen für meine Einschätzung: z. B. Hession et al. 2009, Buyken et al., 2014, Shai et al, 2008, Hu et al., 2012 sowie  Astrup und Brand-Miller 2014

14. Mai 2014
von Ulrike Gonder
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Kokosöl: Alleskönner oder überbewertet?

In der Aprilausgabe der Zeitschrift Naturheilkunde & Medizin (1) erschien ein Artikel, der die Vorzüge des Kokosöls nicht nur hinterfragt, sondern grundsätzlich in Frage stellt. Bevor auf die einzelnen Kritikpunkte eingegangen wird, sei hervorgehoben, dass es sich bei dieser vorgeblichen Kritik am Kokosöl eigentlich um eine Kritik an teilweise unlauteren Aussagen im Internet, insbesondere von Bruce Fife (2) handelt: Der amerikanische Ernährungsexperte, der sehr viel über Kokosöl geschrieben hat, bedient sich gerne einer überschwänglichen Ausdrucksweise inklusive Heilversprechen, die zumindest nach europäischer Rechtsauffassung nicht erlaubt sind. Dies ist ebenso kritikwürdig, wie unerlaubte und nicht belegte Aussagen über die Wirkungen von Kokosöl im Internet, und insofern ist der Artikel in Naturheilkunde & Medizin zu begrüßen. Leider wird darin aber das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, denn es entsteht der unberechtigte Eindruck, Kokosöl habe keine vorteilhaften Wirkungen und sei bestenfalls zur kosmetischen Anwendung nützlich. Im Folgenden sollen daher die Fakten aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zurechtgerückt werden. Weiterlesen →