Ernährung und Gesundheit kontrovers

Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder

28. Juni 2017
von Ulrike Gonder
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Kokosöl – mal wieder in der Kritik

In jüngster Zeit häufen sich wieder einmal kritische Artikel über Kokosöl, ausgelöst durch ein Statement der amerikanischen Herzgesellschaft AHA (Sacks, 2017). Die AHA ist der festen Überzeugung, dass gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte ersetzt werden sollen, um den Cholesterinspiegel und damit auch das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten zu senken. Aus diesem Grund sollen nach Ansicht der AHA Lebensmittel, die viele gesättigte Fettsäuren enthalten, am besten vermieden werden. In dem AHA-Statement heißt es: „…weil Kokosöl das LDL-Cholesterin erhöht, …, raten wir von seinem Gebrauch ab.“ In den Medien häuften sich darauf hin Meldungen, wonach Kokosöl ungesund sei.  Das aktuelle AHA-Statement enthält jedoch keinerlei neue Erkenntnisse!

Kokosöl: So „ungesund“ wie Butter und Schweineschmalz?

Die AHA hebt hervor, dass Kokosöl mehr gesättigte Fettsäuren enthalte als z. B. Butter und Schweineschmalz. Ja klar, dass wissen wir seit hundert Jahren: Mit einem Gehalt von mehr als 90 % ist Kokosöl sehr reich an gesättigten Fettsäuren und übertrifft dabei Butterfett (ca. 60 %) und Schweineschmalz (ca. 40 %). Das lässt sich jeder gewöhnlichen Nährwerttabelle entnehmen. Nur: Daraus lässt sich eben NICHT ableiten, dass es ungesund wäre. Doch genau auf dieser überholten Einstellung reitet das AHA-Statement herum – und erstaunlich viele springen auf diesen Zug auf und sind plötzlich „schockiert“.

Vielleicht sind es dieselben Leute, die zuvor das Kokosöl als „Wundermittel“ gehypt haben.

Das ist natürlich auch höherer Blödsinn! Kein einzelnes Lebensmittel kann Wunder bewirken oder den Menschen gesund oder krank machen, es ist immer die gesamte Ernährung, das individuelle Risikoprofil, die langfristig gepflegte Lebensweise. Eine aktuelle Zusammenfassung der wissenschaftlichen Evidenz zu Herz- und Gefäßerkrankungen fand denn auch, dass Kokosöl im Kontext traditioneller (tropischer) Ernährungsweisen kein Risiko darstellt (Eyres, 2016). (Leider stimmen auch diese Autoren anschließend das alte Lied „gesättigte Fettsäuren erhöhen das LDL und machen daher Herzinfarkt“ an.) Für westliche Länder gibt es aber praktisch keine Daten über natives Kokosöl und die Herzgesundheit. Insofern darf es natürlich auch nicht als Herzschutz gehypt werden. Unsinn! Man nimmt vom Kokosölessen auch nicht automatisch ab – Leute, auf welchem Planeten lebt Ihr?

Natürlich sinkt der Cholesterinspiegel, wenn Kokosöl durch ungesättigte Fettsäurequellen wie Oliven- oder Rapsöl ersetzt wird. Das ist aufgrund der Fettsäurezusammensetzung schlicht zu erwarten (Mensink, 2003). Ob dadurch auch das Herzinfarktrisiko sinkt, ist aber NICHT gesagt. Darauf weisen in jüngster Zeit im mehr Wissenschaftler hin (z. B. Harcombe, 2016, Chowdhury, 2014, Siri-Tarino, 2010, Teicholz, 2015, Malhotra 2017).

Also noch einmal: Es gibt keine Belege dafür, dass Kokosöl dem Herzen schadet – ebenso wenig wie dafür, dass Butter oder Schweineschmalz per se „ungesund“ wären. Auch Kokosöl sollte immer Teil einer insgesamt ausgewogenen, individuell angepassten Ernährung sein. Und es sollte nie das einzige Fett in der Küche sein, eben weil es durch Lebensmittel mit ungesättigten Fettsäuren ergänzt werden muss.

Natives Bio-Kokosöl ist ein hochwertiges, gut hitzebeständiges Fett mit besonderen Eigenschaften. Es kann keine Wunder bewirken, aber Teil einer gesundheitsförderlichen Ernährung sein, auch bei bestimmten Erkrankungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

13. Juni 2017
von Ulrike Gonder
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Neu: Essen! Nicht! Vergessen!

Demenzrisiko einfach wegessen – oder: Wie die Ernährung vor Alzheimer & Co. schützen kann

Endlich erschienen: Mein neues Buch Essen! Nicht! Vergessen!, das ich zusammen mit Dr. Peter Heilmeyer bei systemed veröffentlicht habe. Ich finde, es ist ein Muss für alle, die beruflich und privat mit Menschen zu tun haben, die ein erhöhtes Demenzrisiko aufweisen. Darin versprechen wir selbstverständlich keine Wunder, aber wir haben frohe Botschaften! Denn jeder kann etwas für seine Hirngesundheit tun – auch, wenn es schon erste Anzeichen einer Erkrankung gibt. Im ersten Teil habe ich die Zusammenhänge zwischen dem früh gestörten Energiestoffwechsel im Gehirn und der Ernährung ausführlich aber (hoffentlich) verständlich beschrieben. Im zweiten Teil gibt es konkrete Empfehlungen für eine hirngesunde Ernährung, die gut schmeckt und die Raum für individuelle Vorlieben lässt. Freue mich auf  konstruktive Feedbacks. Viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!

4. Mai 2017
von Ulrike Gonder
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Nachdem ich den Beitrag von Erickson et al. in der Medical Oncology gelesen habe, in dem unrichtige Behauptungen über die ketogene Ernährung insbesondere für Krebspatienten gemacht werden, konnte ich dies nicht unwidersprochen lassen. Mein Leserbrief wurde ebenso wie der von Klement et al. rasch akzeptiert und veröffentlicht. Jetzt bleibt abzuwarten, ob es zu einer Revision des Reviews kommt. Es bleibt spannend …

26. Oktober 2016
von Ulrike Gonder
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Kokosöl: Kritik an der Kritik

Unter dem Titel „Kokosöl – eine hirnrissige Idee?“ erschien kürzlich im Mitteilungsblatt der englischen Ernährungsstiftung (British Nutrition Foundation) ein Artikel [Lockeyer, 2016], in dem die steigende Popularität von Kokosprodukten aus ernährungswissenschaftlicher Sicht bewertet werden sollte. Die ausführliche Arbeit spart nicht an Kritik, beruft sich dabei jedoch teilweise auf überholte Argumente. Da jetzt auch die deutsche Ernährungs Umschau (Ausgabe Oktober 2016) auf den Artikel verwies, im Folgenden meine Anmerkungen dazu. Weiterlesen →

16. September 2016
von Ulrike Gonder
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Aufregende Zeiten für Freunde des Fetts

Hui, dass ich das noch erlebe, denke ich oft, wenn ich beispielswiese lese, dass immer mehr Wissenschaftler die offiziellen Ernährungsempfehlungen (z. B. DiNicolantonio, JJ et al.) in Frage stellen. Wenn endlich heraus kommt, dass vieles, was dem Fett angelastet wurde, nicht belegt war, dass man Daten geschönt, Statistiken frisiert, Unterlagen unterschlagen und Wissenschaftler gekauft hat. Dann diese Woche die Meldung über eine Studie im renommierten Medizinerblatt JAMA: Die Zuckerlobby hat Wissenschaftler offenbar dafür bezahlt, dass sie den Zucker gut und das Fett schlecht aussehen lassen (Kearns, C et al.).

Schon in den 1950er Jahren wurde gezeigt, dass das Sterberisiko steigt, wenn den Menschen gleichzeitig viel Zucker und viel gesättigte Fette zur Verfügung stehen (Verzehrsdaten hatte man damals nicht). Mit tatkräftiger Unterstützung der Zuckerindustrie verschwand der Zucker jedoch aus den Statistiken – das (gesättigte) Fett blieb als vermeintlicher Übeltäter übrig. Mit der Folge, dass immer mehr Kohlenhydrate und weniger Fett gegessen wurde. Die Folgen für die Figur und die Gesundheit sind bekannt und überall zu besichtigen.

Dass zumindest einer der JAMA-Autoren mit dem amerikanischen Zentrum für Tabakkontrolle (UCSF Center for Tobacco Control Research and Education) zu tun hat, wundert nicht, denn die aufgedeckten Machenschaften erinnern doch sehr an die unrühmlichen Aktivitäten der Tabakindustrie zur Vertuschung der Gefährlichkeit des Rauchens.

Bleibt zu hoffen dass derartige Manipulationen künftig schneller ans Licht kommen und dass sie geahndet werden. Denn bis heute sehe ich Arbeiten in der Fachliteratur, bei denen sich mir der Eindruck aufdrängt, die Ergebnisse hätten schon zu Beginn der Untersuchung festgestanden. Die Verantwortlichen von damals sind längst tot, sie können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Die Autoren des JAMA-Berichtes fordern, industriegesponserte Studien künftig genauer unter die Lupe zu nehmen und sie nicht so hoch zu bewerten bzw. stets die Gesamtheit der Forschungsergebnisse im Auge zu haben. Mal sehen, ob das klappt und wozu es führt.

Derweil bleiben die Zeiten aufregend für Freunde der kohlenhydratlimitierten Ernährung, denn es erscheinen jetzt auch immer mehr Berichte darüber. Das ist einerseits schön, weil es die Sache bekannter macht. Andererseits wird es die Verwirrung aber erst noch einmal verstärken, weil doch gerne vor dem Weglassen der Kohlenhydrate gewarnt wird, wie jüngst auf Spiegel online. Das verwundert dann doch, denn erstens geht es ja gar nicht darum, die Carbs völlig wegzulassen und zweitens fragt man sich, was so schlimm daran sein könnte, einen Nährstoff zu reduzieren, der für den Körper nicht essenziell ist.

Das Gute am Spiegel online Beitrag ist, dass nicht alles falsch ist. Ok, das war zu böse. Also nochmal: Das Gute daran ist, dass etliches ganz gut erklärt wurde. Allerdings hätte man nach meinem Dafürhalten besser Menschen interviewt, die auch was von ketogener Ernährung verstehen. Wie die zahlreichen Kommentare zu dem Artikel zeigen, hätten manche Leser besser Auskunft geben können als die zitierten Experten.

16. September 2016
von Ulrike Gonder
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Dicke Kids und Her mit dem Fett!

In den vergangenen Wochen sind zwei neue Artikel erschienen, einer, den ich geschrieben habe, und einer, für den ich interviewt wurde: In der Saarbrücker Zeitung widmete ich mich dem Thema  Dicke Kids bzw. wie frustrierend die Ergebnisse praktisch aller Abspeckbemühungen sind: sz-20160826-bwoh_6-s14-dickekids. Wenn man dann noch hört, dass die junge Generation heute zu mindestens 50 % kurzsichtig ist, weil die Augäpfel durch die viele „Bildschirmarbeit“ in die Länge wachsen (um nur ein Beispiel für weitere chronische Gesundheitsstörungen zu nennen), dann kommen einem schon heftige Bedenken hinsichtlich der Gesundheit künftiger Generationen.

Der zweite Artikel „Her mit dem Fett!“ behandelt das Thema ketogene Kost, und es war mir eine Freude, dass sich die hauswirtschaftliche Fachzeitschrift rhw dafür interessiert hat: rhwm_9_2016_seite19-21

30. Mai 2016
von Ulrike Gonder
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Empfehlung zu fettarmer Ernährung: katastrophal für die Gesundheit!

Wer aus gesundheitlichen Gründen weniger Kohlenhydrate essen möchte, sorgt sich oft, weil dabei mehr fettreiche Lebensmittel gegessen werden dürfen, ja sogar gegessen werden sollen. Zu tief sitzen die Vorurteile gegenüber dem kalorienreichen Nährstoff, der lange Zeit für überflüssige Pfunde und allerlei Gesundheitsstörungen verantwortlich gemacht wurde. Dass diese Sorgen schon immer unberechtigt waren, habe ich in meinen Büchern, Artikeln und Vorträgen immer wieder betont. Umso mehr freut es mich, nun prominente Schützenhilfe zu bekommen: Denn immer mehr Wissenschaftler und Ärzte stellen die auch von der DGE noch immer propagierte fettarme Ernährung in Frage, ja bezeichnen sie endlich als das, was sie für viele ist: als unwissenschaftlich, weil von der Industrie beeinflusst, und als  Katastrophe für die Gesundheit.

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23. Mai 2016
von Ulrike Gonder
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KetoKüche mediterran

Noch druckfrisch und, wie ich finde, wunderschön ist das neue Kochbuch aus der Reihe „KetoKüche“ des systemed Verlags: KetoKüche mediterranBettina Matthaei aus Hamburg hat wieder wunderbare Rezepte kreiert und ich erkläre im Vorfeld, wie eine ketogene Ernährung funktioniert und für wen sie geeignet ist. Macht richtig Lust auf keto – und straft all jene Lügen, die behaupten, das schmecke nicht. Omelett à la Tapas, Pancake-Burger mit Mozzarella, Feta-Minze-Dip, Kohlrabi-Hummus, Auberginen-Involtini, Parmesan-Spinat-Suppe, Fenchel-Minz-Salat mit Pistazien, Pizza Mozzarella, Estragonhähnchen, Zucchini à la Carbonara, Fenchel mit Salsiccia, Marokkanischer Chermoulafisch und gebratener Rosmarinsellerie – das schmeckt, und zwar köstlich! Alle Rezepte arbeiten mit natürlichen Lebensmitteln – keine Fakes, keine Ersatzprodukte, kein Gluten und außer einmal Tofu kein Soja.