Die aufgeführten Beispiele über Abhängigkeiten sollen eine Vorstellung geben, was körpereigene Stoffe bewirken können. Die Lust an scharfen Gewürzen, das "Chili-High", zeigt, dass eine Gewöhnung möglich ist. Ihren Konsum in vielen Ländern der Erde allein auf ein Suchtverhalten zurückzuführen, wäre allerdings falsch. Scharfstoffe besitzen weitere Eigenschaften, die erklären, warum sie vor allem in heißen und armen Ländern so beliebt sind. Das im Chili und in der Paprika enthaltene Capsaicin tötet Darmparasiten ab, und der Scharfstoff Piperin des Pfeffers ist ein potenter Insektenkiller. Insofern ist ihre Verwendung in Gebieten, in denen die hygienischen Bedingungen nicht optimal sind und keine entsprechenden Arzneimittel zur Verfügung stehen, äußerst sinnvoll und verständlich. Andere Komponenten in Gewürzen, zu denen die ätherischen Öle zählen, besitzen ebenfalls antibakterielle Eigenschaften und unterstützen dadurch die Wirkung der Scharfmacher.
Chili wird überall dort reichlich den Speisen zugesetzt, wo es sehr heiß werden kann und gerade bei Hitze fällt es schwer, Appetit zu entwickeln. Scharfe Gewürze können dem entgegenwirken. Sie regen die Verdauung an, indem sie die Durchblutung im Magen und Darm stimulieren und die Verdauungssekrete locken. Dass wir bei dem Verzehr einer thailändischen Suppe Schweißausbrüche erleiden, hat noch einen weiteren Vorteil: Der fein perlige Schweiß verdunstet und kühlt den Körper angenehm ab!
Die Lust an der Schärfe ist - wie alle Geschmacksempfindungen - nicht sinnlos. Es steckt ein biologischer Zweck dahinter: Sie töten Darmbakterien ab, kühlt und verschafft uns angenehme Gefühle - und darum freuen wir uns schon jetzt auf den nächsten chili-heißen Abend beim Mexikaner.
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