Was macht Kühe groß und stark? Richtig, das eiweiß-, vitamin- und mineralstoffreiche Gras. Wenn man damit so stark wie ein Rind werden kann, dann ist es bestimmt auch für Menschen gesund. So lautet allen ernstes die Argumentation mancher Anbieter von Säften aus Weizengras. Seit mehr als dreißig Jahren wird der aus Weizen-, Gersten- oder Dinkelgräsern gepresste Saft gegen allerlei Krankheiten und die Wehwehchen des Älterwerdens angepriesen.
Millionen Kühe können nicht irren
Getreidepflanzen gehören zur Familien der Gräser. Das scheinen viele Zeitgenossen nicht einmal zu ahnen, wenn sie kreuz und quer über Äcker laufen, die so aussehen, als wüchse nur ein bisschen Gras darauf. Was die Ahnungslosen da platt treten ist die Ernte des folgenden Herbstes, das frisch gesäte Getreide. Der gleiche hellgrüne „Rasen“ wächst in der heimischen Küche, wenn Weizenkörner eingeweicht werden, um sie an einem hellen Plätzchen keimen zu lassen. Ist das Weizengras etwa 10 Zentimeter hoch, kann es abgeschnitten und zu einem quietschgrünen Saft gepresst werden.
Die Saftherstellung wurde vermutlich deswegen ersonnen, weil das Kauen von Grashalmen wenig delikat ist. Kein Wunder, denn das menschliche Verdauungssystem ist auf den Verzehr von Gras gar nicht eingestellt. Das unterscheidet uns von der Kuh mit ihren vier Mägen, die viele Stunden am Tag grasen muss, um genügend Energie aufzunehmen. Zudem muss sie das Ganze dann auch noch wiederkäuen, um die Nährstoffe aus dem Gras ausnutzen zu können. Mit dem Vergleich von Kühen und Menschen in Sachen Ernährung sollte man daher vorsichtig sein. Wäre er realistisch, müsste man auch Angst haben, dass einem vom Grassaft-Trinken Hörner und Hufe wachsen.
Aber jetzt im Ernst: Was ist drin im Weizengras bzw. im Saft daraus, mit dem seine „Erfinder“ Ann Wigmore und Viktor Kulvinskas angeblich „viele Patienten von schwersten Krankheiten geheilt haben“? Es sind folgende fünf Wirkstoffgruppen: Weizengrassaft besteht zu gut einem Fünftel aus hochwertigem Eiweiß, er ist reich an Vitaminen, enthält eine Fülle verschiedener Mineralstoffe sowie Enzyme und den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll. Daneben dürfte er – wie alle frischen Pflanzen – eine ganze Reihe weiterer sekundärer Pflanzenstoffe (SPS) enthalten.
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