Dass schon kleine Kinder einen sehr "guten" Appetit haben, der sie zielsicher bei der Nahrungsauswahl leitet, konnte von der amerikanischen Ärztin Clara Davis in den 20er Jahren eindrucksvoll gezeigt werden. Sie führte am Mount-Sinai-Krankenhaus in Cleveland ein Experiment mit 3 Jungen im Alter von 6 bis 9 Monaten durch, die zunächst noch voll gestillt wurden.
Nachdem die Jungen sich an die neue Umgebung gewöhnt hatten, wurden sie abgestillt und bekamen verschiedene Lebensmittel in kleinen Schälchen auf einem Tablett angeboten. Davon konnten sie probieren und soviel essen wie sie wollten. Bei Bedarf half eine Kinderkrankenschwester beim Essen, jedoch ohne die Kinder bei ihrer Auswahl zu beeinflussen.
Es gab Äpfel, Knochenmark, Fisch, Bananen, Eier, Innereien, Gemüse, Fleisch von Lamm, Rind und Huhn, Vollkornmehle, Obst, Sauermilch, Milch, Wasser und Orangensaft. Die Lebensmittel wurden grob zerkleinert und ohne Gewürze roh oder in Dampf gegart serviert. Es gab keinen Zucker, keine Süßigkeiten und keine Verarbeitungsprodukte wie Käse, Wurst, Brot oder Butter. Das Experiment lief über 6 Monate, bei einem der Jungen über ein Jahr.
Nach zwei Wochen der Eingewöhnung aßen alle Jungs selbständig mit den Fingern. Jedes Kind traf eine andere Auswahl: Eines aß besonders viel Milchprodukte, das Zweite viel Obst, das Dritte etwa gleich viel Obst und Milchprodukte. Auffallend war bei allen drei Buben der geringe Getreideanteil. Die Kinder suchten sich offenbar genau das aus, was ihr kleiner Körper brauchte und gut verwerten konnte, denn sie entwickelten sich prächtig: Dr. Davis beschreibt sie als "lachende, aktive, glückliche Kinder, voller Pep".
|