Bewunderung verdient der kleine Tütensnack dennoch. Denn um ein derartiges Produkt überhaupt möglich zu machen, ist technische Raffinesse nötig. So handelt es sich bei den Nudeln um Spezialanfertigungen, die nicht die üblichen acht, sondern nur drei Minuten brauchen, um gar zu werden. Bis eine gewöhnliche Teigware zur Tütensuppennudel taugt, muss sie einiges über sich ergehen lassen. Die Nudeln für asiatische Suppen werden zudem gerne in der Friteuse vorbehandelt. Das fördert Geschmack und Mundgefühl.
Auch die Fettaugen stammen vom Designer. Damit das Fett in der Tüte schön pulvrig bleibt, später jedoch als flüssiges Fettauge obenauf schwimmt, braucht es eine steile Schmelzkurve. Diese technische Herausforderung meistern die Trockensuppenfett-Designer mithilfe der zahlreichen aus der Margarine-Industrie bekannten Kniffe wie Härtung, Umesterung und Fraktionierung. Der Konsument erfährt davon nicht viel. Auf dem Etikett findet sich meist nur ein Hinweis auf „Pflanzenfett, gehärtet“ – jene Variante, die nicht zu den gesündesten gehört.
Auch Geschmacksverstärker, allen voran das Glutamat, gehören nicht zu meinem Lieblingszutaten. Glutamat stimuliert den Appetit und im Tierversuch auch Übergewicht. Bekannt ist, dass empfindliche Menschen auf Glutamat mit Kopfschmerzen, Schwindel, Mundtrockenheit und Beklemmungen reagieren können. Das ganze ist als „China-Restaurant-Syndrom“ bekannt, weil dort reichlich Glutamat zum Einsatz kommt. Es tritt vor allem dann auf, wenn die Suppe wie im Westen üblich auf nüchternen Magen gegessen wird. In China isst man die Suppe gewöhnlich nach dem Hauptgang.
Geschmacksverstärker sind eine preiswerte und einfache Möglichkeit, auf teure Rohstoffe wie Fleisch oder Garnelen zu verzichten. Sie verstärken den Geschmack von salzigen Speisen und Brühen. Zusammen mit Zutaten wie hydrolisiertem Pflanzenprotein, Sojasoßen- und Knoblauchpulver, Zucker und eventuell ein paar Gewürzen gelingt es so, dem kulinarisch unbedarften Kunden eine richtige Suppe vorzugaukeln.
|