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SOLLEN WIR ETWA KEIN OBST MEHR ESSEN?
 

Sollen wir jetzt etwa kein Obst mehr essen? Weit gefehlt, denn gerade der Konsum von Obst und Gemüse erwies sich als besonders günstig, wenn es um die Herzgesundheit geht. Beides enthält zwar Fructose, doch nur eine geringe Menge! So findet sich in einer Portion Möhren gerade mal ein Viertel Gramm davon. Die bedenklichen Fructose-Bomben finden wir dort, wo wir am wenigsten damit gerechnet haben: in Erfrischungsgetränken und Süßigkeiten. Während ein Teelöffel Zucker oder Honig etwa 2 Gramm Fructose enthalten, schlägt eine 330-Milliliter-Dose Cola mit 15 Gramm und ein großer Schokoriegel mit 25 Gramm zu Buche.

Wie kommen diese Riesenmengen dort hinein? Ausgangspunkt ist die Entdeckung der Lebensmittelindustrie in den 60er Jahren, dass sich aus Mais ein äußerst billiges Süßungsmittel gewinnen lässt, der so genannte „high fructose corn sirup“, der zu einem Großteil aus Fructose besteht. Dieses süße Wundermittel wird aufgrund seiner technologischen Vorteile heute in allen möglichen industriell hergestellten Lebensmitteln eingesetzt, von Frühstücksflocken über Desserts bis hin zu Erfrischungsgetränken. Kein Wunder, dass die Fructosezufuhr seit den 70er Jahren sprunghaft zugenommen hat: In den USA hat sie sich allein durch die Süßungsmittel aus Mais von 1975 bis 1990 verzehnfacht.

Dass die Ernährung – neben der körperlichen Bewegung – tatsächlich einen großen Einfluss auf die Entstehung des Syndrom X und der Zuckerkrankheit mit all ihren Folgeerscheinungen hat, zeigt das Beispiel der Pima Indianer. Die Mitglieder dieses in Arizona beheimateten Stammes haben eine starke genetische Veranlagung für Störungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels: Mit acht Jahren sind die meisten bereits insulinresistent, und im Alter werden fast alle übergewichtig und zuckerkrank. Das geschieht aber nur dann, wenn sie von ihren traditionellen Lebens- und Essgewohnheiten ablassen und stattdessen zu Cola und Fast Food greifen.

Quelle: Vines, G: Sweet but deadly. New Scientist v. 1.9.2001/S.26-30


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