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GEMÜSE: GESUND DURCH STATISTIK
 

Dass Obst und Gemüse gesund sind, weiß jedes Kind - spätestens dann, wenn es gezwungen wird, seinen Spinat aufzuessen. Im Falle der Krebsprävention scheint dies auch belegbar zu sein: Übereinstimmend werden Gemüse und Obst Schutzwirkungen zugeschrieben, vor allem bei Tumoren des Verdauungstraktes und der Lunge (11, 14, 133, 150). Nach Angaben des World Cancer Research Funds fanden 78% aller bisher veröffentlichten Studien eine signifikante Minderung des Krebsrisikos - bei wenigstens einer Obst- oder Gemüsekategorie und wenn alle Krebsarten zusammengenommen werden (150).
Diese Aussage ist in mehreren Punkten irreführend.

Erstens werden auch solche Ergebnisse als signifikant bezeichnet, die es im wissenschaftlichen Sinn gar nicht sind, weil der Vertrauensbereich den Wert 1 einschließt. Lässt man diese Studien und jene unberücksichtigt, die erst gar keinen Vertrauensbereich angeben, erweist sich beispielsweise bei Gemüse und Magenkrebs nur jedes fünfte Ergebnis der Fall-Kontroll-Studien und nur jedes zehnte relative Risiko aus prospektiven Studien als signifikant.

Zweitens werden Studien selbst dann als Beleg für einen krebsschützenden Effekt herangezogen, wenn sie nur bei einer von vielen Gemüsekategorien eine statistische Risikominderung gefunden hatten. Solche Einzelbefunde sind jedoch bedeutungslos, denn die Statistik hat ihre Tücken: Werden sehr viele Parameter - wie etwa 20 Gemüsearten - gleichzeitig untersucht, dann finden sich zufällig (!) auch einige signifikante Werte. Werden dazu noch verschiedene Krebsarten berücksichtigt, sind den Studiendesignern ein paar signifikante Korrelationen sicher - rein zufällig (132, 136).

Drittens betreffen die signifikanten Ergebnisse meistens einen insgesamt hohen Obst- oder Gemüseverzehr. Nur gelegentlich gehen einzelne Obst- oder Gemüsearten mit einem verminderten Risiko einher, und wenn, dann sind es fast jedes Mal andere, so dass auch die wenigen signifikanten Ergebnisse eher "Zufallstreffer" sein dürften.

Als konkretes Beispiel sei der Magenkrebs herausgegriffen, bei dem ein Krebsschutz durch Ernährung plausibel ist, kommt der Magen doch in innigen Kontakt mit der Nahrung. Zu diesem Thema liegen bislang sechs prospektive Studien vor: Allerdings erbrachten nur zwei ein signifikant erniedrigtes Risiko, eine, wenn viel Gemüse auf den Tisch kam (100), die andere bei hohem Zwiebelkonsum (32). Beim Obst fanden zwei Studien ein vermindertes Magenkrebsrisiko bei hohem Verzehr (40, 100), in zwei weiteren Studien kam es dagegen zu mehr Magenkrebs (72, 77).

Wenn man bedenkt, dass Magenkrebs vorwiegend eine Krankheit der Armen ist, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben müssen, und dass diejenigen, die einen Kühlschrank besitzen, seltener an Magentumoren erkranken (100), dann lassen die vorliegenden Daten nur einen Schluss zu: Magenkrebs wird weniger durch einzelne Lebensmittel beeinflusst. Entscheidend ist vielmehr die Hygiene bei der Produktion und Lagerung von Grundnahrungsmitteln.

Dazu kommt, dass eine Infektion mit Helicobacter pylori die Entstehung von Magentumoren fördert. Schlechte hygienische Verhältnisse leisten wiederum der Übertragung der Bakterien Vorschub, die als cancerogen für den Menschen eingestuft wurden (65).


Bewertung der Literatur | Obst und Gemüse: Datensalat