Krebs ist schlimm. Aber glücklicherweise kann man etwas dagegen tun: "Trinken Sie täglich grünen Tee wie ein Chinese, das schützt vor Magenkrebs!" oder "Krebsschutzstoff in Tomaten entdeckt!" oder "Eine ballaststoffreiche Kost verhindert Darmtumoren". So oder ähnlich wird den Menschen suggeriert, sie könnten Krebs verhüten, wenn sie nur das Richtige äßen.
Und es sind nicht nur die Boulevardblätter, die auf der ständigen Jagd nach reißerischen Aufmachern begierig vorläufige Forschungsergebnisse aus den Labors der Krebsforscher aufnehmen. Auch seriöse Organisationen wie etwa der World Cancer Research Fund (WCRF) und das American Institute for Cancer Research (AICR) sind überzeugt davon, dass es sich bei Krebs um eine Krankheit handelt, die durch "richtige" Ernährung verhütbar ist (EU.L.E.N-SPIEGEL 1997/H.8/S.9-11).
Das Krebsrisiko einfach wegessen? Eine kritische Überprüfung der Fachliteratur zeigt, dass die Ernährungsempfehlungen zur Krebsprophylaxe eher Wunschdenken sind als wissenschaftliche Wirklichkeit.
Die Krebsforschung ist im Bereich der Ernährung in eine Sackgasse geraten. Nach jahrzehntelangen Bemühungen gibt es nur wenige gesicherte Erkenntnisse, es überwiegen offene Fragen und ernüchternde Studienergebnisse. Dennoch wird der Öffentlichkeit vermittelt, dass etwa ein Drittel aller Krebsfälle ernährungsbedingt und damit prinzipiell verhütbar sei (150).
Aufgrund dieser Annahmen werden Verbraucher beraten und beunruhigt, werden neue Produkte entwickelt und Strategien im öffentlichen Gesundheitswesen konzipiert. Höchste Zeit also, den Stand der Dinge einmal vorurteilsfrei zu hinterfragen.
|