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VITAMINE: DIE ANTIOXIDANTIEN-HYPOTHESE
 

Vielleicht wirken aber jene Stoffe protektiv, die in pflanzlichen Lebensmitteln in wechselnden Mengen enthalten sind und die schon lange als "gesund" gelten: die Vitamine.

Grundannahme der Antioxidantien-Hypothese ist, dass Krebs aufgrund von "oxidativem Stress" durch freie Radikale entsteht. Freie Radikale sind aggressive Moleküle, die Zellmembranen und die Erbsubstanz (DNS) schädigen können. Antioxidantien, allen voran die Vitamine C und E sowie die Vitamin-Vorstufe ß-Carotin, sollen die aggressiven Radikale abfangen und so vor Krebs schützen.

Carotin fördert Lungenkrebs
Vor allem das ß-Carotin hatte es den Krebsforschern angetan: Es kommt in vielen Obst- und Gemüsesorten vor und galt als völlig ungefährlich. Tatsächlich gab es Hinweise darauf, dass es vor Lungenkrebs schützt: In einigen Studien waren niedrige ß-Carotin-Spiegel im Blut mit höheren Krebsraten einhergegangen (57, 128). Auch Labor- und Tierexperimente (4, 49) sowie einige Fall-Kontroll-Studien (z.B. 23, 30, 81) lieferten vielversprechende Ergebnisse.

Die prospektiven Studien zeigten immerhin einen Trend zu sinkenden Krebsraten, der jedoch nur selten signifikant war (75, 84, 101, 124, 125, 131). In diesen Studien wurde allerdings nicht etwa die ß-Carotinzufuhr gemessen, sondern der Obst- und Gemüseverzehr erfragt. Daraus berechnete man die mutmaßlich gegessene ß-Carotinmenge. Da es für ß-Carotin lange keine Analysendaten gab (13, 150), kann man sich leicht vorstellen, von welcher Qualität die Studienergebnisse sind.

Dennoch machte man die Probe auf´s Exempel und begann, in Interventionsstudien ß-Carotin in Pillenform an Risikogruppen wie Raucher zu verabreichen, um sie vor Lungenkrebs und frühem Tod zu schützen. Die drei sehr sorgfältig durchgeführten, doppelblinden Untersuchungen fielen jedoch katastrophal aus:


 
In der sogenannten Finnland-Studie mit 30.000 Rauchern (134) kam es zu signifikant mehr Lungenkrebs, wenn die Teilnehmer täglich 20 mg ß-Carotin eingenommen hatten: Die Lungenkrebsrate stieg um 18%, die Gesamtsterblichkeit um 8%.
Bei der CARET-Studie (103) wurden 30 mg ß-Carotin täglich an rund 18.000 Raucher und Asbestarbeiter verabreicht. Da auch hier die Anzahl der Lungenkrebsfälle (17%) und die Lungenkrebs-Sterblichkeit (46%) signifikant stiegen, brach man die Studie vorzeitig ab.
An der Physicians Health Study (60) nahmen 22.000 Ärzte teil, von denen nur 11% rauchten. Sie alle erhielten jeden zweiten Tag 50 mg ß-Carotin oder Placebo. Nach 12 Jahren fand sich keinerlei Auswirkung, weder auf das Krankheitsgeschehen, noch auf die Gesamtsterblichkeit.



 

Die Interventionsstudien zeigen deutlich, dass ß-Carotin-Supplemente Risikogruppen wie Rauchern schaden und anderen nichts nützen.

Einer der Autoren der Physicians Health Study bemerkt enttäuscht, dass die Studienergebnisse "jede noch verbliebene Hoffnung darauf, dass ß-Carotin-Supplemente, zumindest für Erwachsene, ein effektives Mittel seien, um das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken, im Keim ersticken". Die Resultate "senden eine klare Botschaft an die Öffentlichkeit, und die zig Millionen Dollar, die jedes Jahr für ß-Carotin-Supplemente ausgegeben werden, sollten nützlicheren Zwecken zufließen" (103).


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