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Krebs und Ernährung

VOLLKORNBROT STATT BAGUETTE?
 

Auch Vollkornbrot wird nachgesagt, es schütze vor Krebs, insbesondere vor Darmkrebs. Diese Ansicht beruht schlicht auf einem Fehlschluss: In Obst- und Gemüse-Studien wurden neben Vitaminen auch die Ballaststoffe berechnet. Da ein hoher Obst- und Gemüseverzehr gelegentlich mit einem verminderten Darmkrebsrisiko einhergeht, findet sich der gleiche Zusammenhang logischerweise auch mit den Ballaststoffen aus Obst und Gemüse.

Daraus schloss man, dass Ballaststoffe schützen. Und da Getreide ballaststoffreich ist, empfiehlt man Vollkornprodukte zur Darmkrebsprophylaxe (144). Dabei gibt es bis heute keine prospektive Studie zu dieser Empfehlung, so dass die tatsächliche Wirkung von Vollkorngetreide auf den Darm noch immer ungeklärt ist. Doch wie sieht es mit den Ballaststoffen selbst aus?

Die Ballaststoff-Hypothese
Die Hypothese, dass Ballaststoffe vor Darmkrebs schützen, ist bereits 30 Jahre alt und geht auf Burkitt zurück (21). Er hatte in Afrika beobachtet, dass die Einheimischen selten an Darmkrebs litten und führte dies unter anderem auf die Ernährung zurück, die aufgrund des hohen Anteils pflanzlicher Lebensmittel reich an "Rohfaser" war. Obwohl sich das Leben in einem südafrikanischen Kraal von dem in New York nicht nur in puncto Essen unterscheidet, beschränkten sich die Ernährungs-Epidemiologen auf dieses Detail, als wäre die Ballaststoffaufnahme der entscheidende Unterschied zwischen beiden Kulturen.

Die Ergebnisse der prospektiven Kohortenstudien widersprechen der Ballaststoff-Hypothese: Von den sieben bislang veröffentlichten Arbeiten konnte keine einzige einen Schutzeffekt belegen (39, 51, 59, 73, 122, 132, 145).

Schon die Bezeichnung Ballaststoffe ist problematisch, denn es handelt sich um eine sehr heterogene Gruppe pflanzlicher Inhaltsstoffe, die zudem eng mit einer Vielfalt sehr unterschiedlicher pflanzlicher Abwehrstoffe vergesellschaftet ist, sogenannter Antinutritiva: z.B. Phenole, Phytate und Enzyminhibitoren (6).

Deshalb stellt die Ballaststoff-Hypothese bestenfalls eine "starke Vereinfachung" dar (144). Obst, Gemüse und Getreide enthalten Tausende von Substanzen, die das Krankheitsrisiko beeinflussen können und die miteinander interagieren: Vitamine, Mineralstoffe, Stärke, resistente Stärke, Antinutritiva, Phytoöstrogene, Mycotoxine, Pestizidrückstände und andere Umweltgifte. Sie lassen sich nicht auf den Ballaststoffgehalt reduzieren, der noch dazu meist errechnet und nicht analysiert wurde. Denkbar ist jedoch, dass manche ballaststoffreichen Lebensmittel Substanzen enthalten, die eine Schutzwirkung ausüben könnten (s.u. Phytoöstrogene).


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