Zu wenig Vitamin B12
Während sich die meisten Köche und Köchinnen vor Sylvester fragen dürften, ob es Fondue oder Karpfen geben soll, stellt sich dieses Problem für Vegetarierinnen nicht. Sie verzichten auf Lebensmittel vom toten Tier und essen dafür mehr Gemüse, Obst und Vollkornprodukte, ergänzt durch mäßige Mengen an Milchprodukten und Eiern. Bislang galt diese, als ovo-lacto-vegetabil bezeichnete Ernährungsweise nicht nur als besonders gesund, sondern auch als ausreichend für Schwangere. Eine kürzlich im Journal of Nutrition ( 2004/Vol.134/S.3319-3326) veröffentlichte Studie wiederspricht dieser Beurteilung jedoch vehement.
Das europäische Forscherteam hatte die Verzehrsgewohnheiten von 109 gesunden Schwangeren ermittelt und mit deren Vitamin-B12-Status in Beziehung gesetzt. Von den 27 langjährigen Ovo-lacto-Vegetarierinnen wiesen 39% zu niedrige Vitamin-B12-Spiegel auf. Bei den 43 Wenig-Fleischesserinnen (max. 2 Portionen/Woche) waren es nur 9% und bei den Gemischtköstlerinnen 3%.
Niedrige Vitamin-B12-Gehalte im Blut der Schwangeren erhöhen das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind („offener Rücken“) und für andere Schwangerschaftskomplikationen. Bei den Müttern kann es zur Blutarmut (Anämie), zu neurologischen Störungen und zu Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit kommen.
Auch nach der Geburt bleibt ein Risiko: Gestillte Neugeborene, deren Mütter nur geringe Vitamin-B12-Speicher im Körper haben, zeigen häufig Entwicklungsstörungen, sie bleiben im Wachstum zurück und können an einer Anämie erkranken.
Bei Kindern von Veganerinnen, also Müttern die überhaupt keine tierischen Lebensmittel essen, kommt es häufig zu Vitamin-B12-Mangel und Entwicklungsstörungen. Neu ist, dass es auch bei ovo-lacto-vegetabiler Ernährung der Mutter zu nennenswerten Engpässen beim Vitamin B12 kommen kann.
Die vorliegende Studie ist zwar klein, die Autoren fordern angesichts ihrer Daten jedoch dringend, die bisherigen Empfehlungen für Vitamin B12 in der Schwangerschaft zu erhöhen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Schwangeren derzeit 3,5 µg täglich. Die ovo-lacto-Vegetarierinnen in dieser Studie kamen im Durchschnitt nur 2,5 µg Vitamin B12 pro Tag, die Gemischtköstlerinnen dagegen auf 5,3 µg. Die Wenig-Fleischesserinnen lagen mit 3,8 µg dazwischen.
Mein Senf dazu
Vitamin B12 kommt von Natur aus nur in tierischen Lebensmitteln vor, also in Fleisch, Fisch, Eiern, Milch und Milchprodukten. Pflanzliche Quellen enthalten Vitamin-B12-ähnliche Verbindungen, die vom Körper nicht verwertet werden können.
Schwangere, die aus Überzeugung, Abneigung oder religiösen Gründen kein Fleisch essen, sollten auf einen reichlichen Konsum von Milch und Eiern achten. Außerdem empfiehlt es sich, vom Arzt den Vitamin-B12-Status bestimmen zu lassen und mit ihm zu erörtern, ob eine Supplementierung notwendig ist.
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