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Å Essen fängt beim Einkauf an

von Brigitte Neumann

Damit unser Kühlschrank gefüllt ist, gehen wir mehr oder weniger regelmäßig zum Einkaufen – und erleben immer wieder die Qual der Wahl. Schließlich leben wir wie im Schlaraffenland. Ob Supermarkt, Bioladen oder Delikatessengeschäft – überall laden uns prall gefüllte Regale ein zum Kauf von Lebensmitteln. Je nach Lust, Laune und Füllungszustand der Geldbörse jagen wir billigen Schnäppchen nach, befriedigen das Gewissen mit Bioprodukten oder lassen uns locken vom Reiz der Exklusivität und des exotischen Luxus. Das Angebot ist vorhanden, wir brauchen nur zuzugreifen. Normalerweise steuern wir trotz der Fülle recht zielbewusst auf die Waren zu, die wir schon immer kaufen. Feste Einkaufsgewohnheiten geben Orientierung und Sicherheit durch den Dschungel der Lebensmittel. Da weiß man wenigstens, was man hat, ohne lange darüber nachdenken zu müssen.

Erst, wenn eine Krise ins Haus flattert, beginnen wir, uns Gedanken über den Inhalt unseres Einkaufswagens zu machen. Die BSE-Krise hat uns gründlich aufgeklärt über das, was hinter den Kulissen der Ladenregale abläuft. Wir reagierten panisch, verfielen in Aktivismus und boykottierten alles, was vom Rind auf unseren Tellern landete. Wie Schuppen fiel uns von den Augen, dass der Umgang mit landwirtschaftlichen Nutztieren in bezug auf Tierhaltung und Tiertransporte sehr beschämend ist. Was wir über die Verarbeitung und Herstellung von Fleisch und Wurst erfuhren, nahm uns dann noch den letzten Appetit. Laut erklangen überall die Forderungen nach besserem Schutz der Verbraucher.

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Wende statt Ende
„Wir werden den Verbraucher schützen und nicht den Verbrauch" erläuterte Verbraucherschutzministerin Renate Künast in ihrer Regierungserklärung zur neuen Verbraucherschutz- und Landwirtschaftspolitik am 5. Februar 2001. Damit läutete sie die Agrarwende ein. Zwanzig Prozent der landwirtschaftlichen Produkte sollen in den nächsten Jahren aus ökologisch geführten Betrieben kommen. Derzeit beträgt der Anteil gerade mal drei Prozent. Das magische Sechseck, bestehend aus Lebensmittelindustrie, Futtermittelindustrie, Landwirtschaft, Handel, Verbraucherschutz und Politik soll zukünftig zur Verantwortung gezogen werden, wenn es darum geht, die einwandfreie Qualität der Nahrungsmittel zu gewährleisten.

Künasts Ziele trafen auf offene Ohren bei weiten Teilen der Bevölkerung. Aus Angst vor den unberechenbaren Folgen von BSE änderten viele ihr Einkaufsverhalten, wurden zum Vegetarier oder griffen zu den vielfältig angebotenen Alternativen. Die einen stiegen um auf Känguru- oder Straußenfilet, auf Huhn, Pute oder Schwein, die anderen kauften ihr Rindfleisch nur noch beim Biobauern. Supermärkte und selbst Fachmetzgereien hingegen hatten kaum eine Chance, Rindfleisch zu vermarkten. Sollten sich die Zustände bessern, versicherten wir in mannigfachen Umfragen, seien wir bereit, zukünftig sicherere Qualität auch entsprechend zu honorieren. Doch welche Kriterien garantieren uns „sicherere Qualität"?

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Alles Bio – oder was?
Gewinner Nummer 1 ist ganz offensichtlich die Bio-Branche. Quer durchs Sortiment verzeichnet Bio und Öko ein noch nie da gewesenes Umsatzplus. Egal, ob in den Regalen der Supermärkte oder in den Naturkostläden und Bio-Discountern: die Nachfrage steigt. Je nach Produkt und Anbieter zahlt der Kunde zwanzig bis fünfzig Prozent mehr als für herkömmliche Ware.

Jetzt wird sichtbar, wie sich die Biobranche in den vergangenen Jahren gemausert hat. Längst vorbei sind die Zeiten idealistischer Müslifreaks und Birkenstock-Träger. Die europaweit größte Messe für Bioprodukte, die Biofach in Nürnberg, zeigt, dass die Branche sich voll auf den Konsumenten des 21. Jahrhunderts eingestellt hat: breites Sortiment, bewusste Preisgestaltung und Service am Kunden sind wesentliche Aspekte des Erfolges, der durch die BSE-Krise zusätzlich einen spürbaren Schub bekam. Tütensuppen und Fertiggerichte fehlen in den Regalen der Naturköstler ebenso wenig wie „vollwertige" Naschereien und Knabberartikel. Das Image der gesünderen Biokost lockt vor allem Familien mit kleinen Kindern. Sie wollen ihren Nachkömmlingen einen gesunden Start ins Leben ermöglichen.

Bioware steht allgemein für die umweltbewusstere Alternative. Doch bei genauerem Hinsehen bedeutet die Entscheidung für Bio nicht immer automatisch die Entscheidung für mehr Umweltbewusstsein. Biotomaten vom Mittelmeer zur Weihnachtszeit weisen allein durch den langen Transportweg eine schlechtere Ökobilanz auf als konventionelle Sellerieknollen aus heimischen Gefilden. Den Einkaufskorb unter ökologischen Gesichtspunkten zu bestücken, bedeutet also mehr als nur einen Blick für das Bio-Label zu entwickeln.

„Klasse statt Masse" lautet der Slogan der Verbraucherschutzministerin, mit dem sie für mehr Bioprodukte wirbt. Paradoxerweise reagiert der Durchschnittskunde offensichtlich erst darauf, wenn die „Klasse zur Masse" wird. Den größten Erfolg verzeichnen Bio-Discounter, die ihren Kunden nach Prinzip Aldi die Ware bis zu zwanzig Prozent günstiger anbieten als ihre Kollegen in den Naturkostmärkten. Preiskampf also auch auf dem Markt der Ökogüter.

Im konventionellen Handel ist der Preiskampf und der damit einhergegangene Preisverfall eine Ursache für die teilweise skandalösen Zustände in der Lebensmittelherstellung. Offen bleibt die Frage, in welche Richtung sich der Biomarkt entwickeln wird, wenn dort genau dieselben Mechanismen den Erfolg sichern sollen.

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PreisWert
Doch wir sind daran gewöhnt, uns vorrangig am Preis für eine Ware zu orientieren. Schließlich umwerben uns jedes Wochenende die Supermärkte aufs neue mit Super-Sonderangeboten. Wie zu Zeiten der Jäger und Sammler brechen wir auf, um uns die besten Schnäppchen aus den Ladentheken zu sichern. Rindfleisch gehört längst wieder dazu.

Bei der Jagd nach Schnäppchen beachten wir kaum, wie „verrückt" so manches Preis-Leistungs-Verhältnis ist. Ohne mit der Wimper zu zucken, legen wir gleich den doppelten Betrag auf den Tisch, wenn wir statt normaler Zucker-Knusper-Krümel, genannt Cornflakes, die vitaminisierte und mineralstoffangereichte Version wählen. Kostet die Luxus-Version drei Groschen weniger, kaufen wir dafür zwei Pakete mehr ein. Für drei Gramm Trockenfleisch in einer Tütensuppe zahlen wir ebenfalls ein Vielfaches des Preises, den die frische Ware beim Metzger im Laden kosten würde. Eingetütetes Gemüse aus der Tiefkühltruhe steigt im monetären Wert, wenn ein Fett-Kräuter-Geschmacks-Würfel die Kreation zum standardisierten Mikrowellengericht erhebt. Die ersten Kohlrabi im Frühjahr sind uns locker mehr als das Doppelte wert als die Folgeexemplare im Sommer. Der Preis allein sagt also sehr wenig über die tatsächliche Qualität einer Ware aus. Er rekrutiert sich aus einer Fülle von Faktoren, nicht zuletzt daraus, was der Verbraucher willig ist, zu zahlen. Am willigsten zahlen wir offensichtlich dort, wo die gleiche Ware billiger angeboten wird als anderswo.

Grundsätzlich ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Schließlich muss jeder mit seinem Einkommen haushalten – und das betrifft auch den Inhalt unseres Einkaufswagens. Wenn uns unsere tägliche Nahrung aber immer weniger wert ist, müssen wir uns nicht wundern, dass sie tatsächlich weniger wert wird. Ab einer bestimmten Preisgrenze kann die Qualität nicht mehr gehalten werde. Dann haben wir im Einkaufwagen genau die Ware, die zu Zeiten der BSE-Krise unser ganzes Entsetzen hervorgerufen hat. Welche Zeche wir für die Billigstrategien auf Dauer zahlen, darüber kann nur spekuliert werden. Möglicherweise ist BSE harmlos im Vergleich zu für anderen Gefährdungen, auf die wir mehr oder weniger blind zusteuern.

Apokalyptische Zukunftsperspektiven helfen nicht aus der Krise, eher schon die Forderung von Renate Künast, die sie anlässlich des Tages der Lebensmittelindustrie äußerte. In Zukunft dürfe nicht länger auf Billigstrategien gebaut werden, sondern eher auf Maßnahmen, die auf „dokumentierte Qualität setzen und Ernährung mit Genuss, Erleben und Esskultur verbinden."

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Versiegelte Qualität
Damit trifft sie zudem einen weiteren Nerv unserer Gesellschaft. Nur zu gern haben wir mehr als zehn Jahre dem Stempel „BSE-frei aus Deutschland" vertraut. Gab er uns doch die Scheinsicherheit, dass unsere Rinder BSE-frei sind, allen Mahnern zum trotz, deren Warnung, dass Krankheiten wie BSE keine Ländergrenzen einhalten, schlicht und einfach ignoriert wurden.

Eine Reihe von Siegeln wollen uns die Qualität der Ware garantieren, egal ob von konventioneller Seite, wie das Gütesiegel der CMA oder im Ökobereich das Öko-Prüfzeichen mit Angabe der jeweiligen Öko-Kontroll-Prüfstelle. Hinter all diesen Siegeln stehen definierte Qualitätsanforderungen, die erfüllt werden müssen, bevor das Siegel verliehen wird. Dass an einigen Stellen damit Missbrauch getrieben wurde, wussten die Medien in den vergangenen Jahren mehr oder weniger lautstark zu berichten. Unzureichende Kontrollen erwiesen sich oft als die Schwachstelle. Da verblasst bei dem ein oder anderen Hersteller wohl der Ehrgeiz, den Anforderungen der Auszeichnung auch nach der Verleihung noch gerecht zu bleiben.

Je mehr Qualitätsauszeichnungen auf den Markt kommen, desto unübersichtlicher wird die Situation für den Verbraucher. Zur einfacheren Orientierung kreiert das Verbraucherschutzministerium nun zwei neue Siegel, die alle bisherigen Gütezeichen auf der Verpackung von Lebensmitteln ablösen sollen. Eins wird gültig sein für konventionell hergestellte Lebensmittel, das andere klebt auf ökologischer Ware. Die Qualitätsstandards für die Siegel erstellen Verbraucherzentralen, Lebensmittelhandel, Landwirtschaft und Verbraucherschutzpolitik in gegenseitigem Einvernehmen. Es geht also darum, dass die vier sehr unterschiedlichen Interessenvertreter einen gemeinsamen Nenner finden, der Qualität verheißt und für jeden erschwinglich ist. Beide Prüfsiegel sollen so ausgerichtet sein, „dass sie in jedem Supermarkt angeboten werden können."

Eine Einigung über das Ökosiegel erfolgte am 21. Mai 2001. Im Herbst 2001 sollen die ersten damit ausgezeichneten Produkte auf dem Markt erscheinen. Das Siegel basiert auf der EU-Bio-Verordnung. Danach wird Ökoware zukünftig weniger streng beurteilt als nach dem bereits existierende Öko-Prüfzeichen. Schon kommt die Kritik aus den Reihen der Opposition. Die Strategie sei „staatlich organisierter Etikettenschwindel" erklärte die Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Annette Widmann. Der Standard würde gesenkt, damit die Öko-Quoten steigen.

Die Verbraucherschutzverbände hingegen stimmten begeistert zu: „Mit dem Zeichen können Verbraucherinnen und Verbraucher künftig klar erkennen, ob ein Produkt ‚öko‘ ist oder nicht", sagte Prof. Dr. Edda Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. „Die eindeutige Kennzeichnung kann somit auch Gelegenheitskäufer ansprechen und ökologisch produzierten Lebensmitteln insgesamt zum Durchbruch verhelfen." Die beiden größten Bioverbände Bioland und Demeter begrüßten die Entscheidung ebenfalls. Der Zusammenschluss kleinerer Bioverbände unterstützte den Kompromiss nur mit der Zusicherung, dass sich die Bundesregierung für eine Verschärfung der EU-Bio-Verordnung gemäß der bereits existierenden Richtlinien für das bisherige deutsche Öko-Prüfzeichen einsetze.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL), ein Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, begrüßt zwar die Einigung für das Ökosiegel, stellt ein Qualitätszeichen für konventionelle Lebensmittel aber in Frage. Es dürfe nicht „Öko-/Konventionelles Siegel/ Rest" geben. Das würde zu einer ungerechtfertigten Herabsetzung des „Restes" führen. Alle Lebensmittel im Handel unterliegen schließlich dem Lebensmittelrecht, das dem Verbraucher größtmögliche Sicherheit gewährleistet. Am Markt bildet sich innerhalb dieses Rahmens eine Vielzahl von Produkt- und Qualitätsunterschieden aus, die sich bewähren müssen. „Dabei kommt es entscheidend auf die Wünsche der Verbraucher, auf ihr Nachfrageverhalten an. Einer staatlich vorgegebenen, zusätzlichen "Messlatte" bedarf es nicht; eine staatliche Lenkung der Nachfrage ist ordnungspolitisch verfehlt," lautet die Stellungnahme des BLL.

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Politik mit dem Einkaufskorb
Die Politik hat also gehandelt und die Forderungen der Verbraucherschützer zunächst in Form des Ökosiegels umgesetzt. Über das Qualitätssiegel für konventionelle Produkte stehen die Vereinbarungen noch aus. Dennoch werden bald die Qualitätssiegel auf einer Fülle von Produkten prangen. Nicht zuletzt aber sind wir gefragt, mit unserem Einkaufsverhalten Verantwortung zu übernehmen. Mit jedem Artikel, der in unserem Einkaufswagen landet, entscheiden wir schließlich nicht nur für unseren eigenen Magen, sondern wir stellen gleichzeitig Weichen für die Zukunft unserer Ernährung. Das, was heute bevorzugt gekauft wird, wird sich morgen gegenüber den Produkten durchgesetzt haben, die heute im Regal liegen bleiben.
Der Verantwortung gerecht zu werden, stellt angesichts der verwirrenden und oft widersprüchlichen Informationen eine besondere Herausforderung dar. Blindes Vertrauen in die Produkte, denen der neue Qualitätsstempel aufgedrückt wird, reicht ebenso wenig aus wie allein die Bereitschaft, mehr Geld für Nahrungsmittel ausgeben zu wollen.

Wo also finden wir Orientierung? Vielleicht am ehesten, wenn wir uns selbst fragen, was wir morgen noch mit Genuss essen wollen.
Wenn der Genuss von morgen Fünf-Minuten-Terrine, Genfood, Tiefkühlpizza und angereicherte Gesundkost heißt, brauchen wir heute nur kräftig zugreifen bei all den vielen Produkten, mit denen wir umworben werden. Der Weg zu noch mehr standardisierten, industriell gefertigten und Mikrowellen geeigneten Tütenmenüs ist bereits geebnet. Rückstandsanalysen aus dem Labor garantieren uns größtmögliche Sicherheit für die Unbedenklichkeit der Ware. Geschmacksgarantie gewährleistet die boomende Aromaindustrie.

Wollen wir aber morgen noch wissen, wie Blumenkohl schmeckt, bevor er als Trockenkrümel in der Tütensuppe landet, müssen wir den „Originalen", ob Blumenkohl, Kartoffeln, Obst, Gemüse oder Fleisch, den Vorrang in unserem Einkaufskorb geben.
Möchten wir zukünftig nicht verzichten auf den Anblick von weidenden Kühen inmitten grüner Wiesen, wogenden Getreidefeldern, üppigen Kartoffel- und Gemüseäckern, sind wir heute aufgefordert, auch die Produkte zu kaufen, die die Region, in der wir leben, zu bieten hat.

Erscheint uns wichtig, der zukünftigen Generation den Bezug zu den Grundnahrungsmitteln zu erhalten, müssen wir sie kochen lehren. Schließlich trägt die Kunst des Kochens seit Jahrtausenden zum Überleben des Menschen bei. Im 21. Jahrhundert wandelt sie sich immer mehr zum industriellen Kunstkochen.
Schämen wir uns der Bedingungen, unter denen viele Tiere gefüttert, gehalten und transportiert werden, haben wir die Aufgabe, auf die Suche nach Fleisch und Wurst von Tieren zu gehen, deren Haltung unseren ethischen Vorstellungen von artgerechter Tierhaltung entsprechen.

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Zehn vor zwölf
Schon sind die Skeptiker am Zuge. Der moderne Mensch hat doch keine Zeit, sich so intensiv um seine Ernährung zu kümmern. Er muss sich darauf verlassen können, dass jedes Produkt, dass er kauft, nur zu seinem Besten dient. Die Masse muss einfach Klasse sein – und dort, wo sie es nicht ist, haben Experten dafür zu sorgen, dass sie es wird. Woher soll denn der Laie wissen, womit er seinen Einkaufskorb ökologisch und ökonomisch sinnvoll bestücken kann? Angesichts der Vielfalt ist es ihm nahezu unmöglich, den Überblick zu behalten und sich für die beste Alternative zu entscheiden. Allein schon die Deklaration auf den Etiketten ist undurchschaubar.
Also doch lieber Augen zu, Mund auf und den Appetit nicht verderben lassen. Schließlich wurde in den letzten Monaten ja einiges zum Schutz der Verbraucher getan. Da brauchen wir doch wieder nur zuzugreifen.

Wer so denkt, hat sich offensichtlich bestens daran gewöhnt, andere verantwortlich zu machen für das, was im eigenen Einkaufswagen landet. Das ist bequem, dann brauchen eigene Gewohnheiten nicht hinterfragt werden, dann müssen „nur" Forderungen gestellt werden, mit denen sie erfüllt werden können.
Doch täuschen wir uns nicht: Starr den eigenen Gewohnheiten anzuhängen, verhängt den Blick für die Situationen, die Veränderung bedürfen. Die BSE-Krise hat gezeigt, das vieles im Bereich der Ernährung reformbedürftig ist. Noch können wir uns freiwillig entscheiden, den Inhalt unseres Einkaufswagens neu zu sortieren. Ein altes japanisches Sprichwort sagt: „Wir sind nicht nur für unser Tun verantwortlich, sondern auch für das, was wir nicht tun". Aus der Verantwortung für unsere Ernährung werden wir uns nicht stehlen können.

Fehlen Ihnen nun noch die konkreten Anweisungen, welche Nahrungsmittel Sie beruhigt kaufen können? Dann schließen Sie doch bitte einen Augenblick die Augen – und stellen Sie sich vor, was Sie auch morgen noch gern essen würden.
 

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Das Pfefferkorn mahlen: Dipl.oec.troph. Ulrike Gonder, Dipl.oec.troph. Brigitte Neumann,
Dr. med. Harald Renner, Dipl.-Ing. Anne Kupschus