Kids: gesund
genießenvon
Brigitte Neumann
Das Fußballtraining ist
aus. Anderthalb Stunden rennen, flitzen, kicken – da
knurrt der Magen. Jetzt eine warme Dusche und dann eine
ordentliche Portion Spaghetti mit Tomatensauce. Ein
Nachschlag muss natürlich auch noch sein. Nun stellt
sich das wohlige Gefühl der Sättigung im Magen ein. Ach,
hat das gut geschmeckt ...
Tut gut, was gut
schmeckt?
Eine sehr umstrittene Frage unter
Ernährungsfachleuten. Während Ernährungspsychologen eher
dafür plädieren, nach dem „Lustprinzip“ zu essen, worauf
man gerade Appetit hat, warnen manche
Ernährungswissenschaftler davor. Das führe zu einer
ungesunden Ernährungsweise, die sich im späteren Leben
rächen würde. Übergewicht, Diabetes (Zuckerkrankheit),
Fettstoffwechselstörungen und andere so genannte
Zivilisationskrankheiten seien die Folge. Die
allgemeinen Beobachtungen scheinen ihnen recht zu geben:
Mindestens jeder zehnte Schüler gilt als übergewichtig.
Beim Blick auf den steigenden Konsum von „ungesunden“
Schokoriegeln, Chips und Cola-Getränken scheint eine
Ernährungserziehung von Kindesbeinen an unerlässlich.
Fühlen wie’s schmeckt
Eigentlich liegt es in der Natur des Menschen, selbst
herauszufinden, welche Nahrungsmittel ihm gut tun. In
den zehntausenden Jahren Entwicklungsgeschichte war es
stets überlebensnotwendig, zu erkennen, welche
Nahrungsmittel gesund und welche krank machen. Diese
Fähigkeit ist auch uns nicht abhanden gekommen. Kinder
und Jugendliche, denen eine ausgewogene Ernährung
angeboten wird, greifen voller Appetit zu – und ernähren
sich insgesamt recht abwechslungsreich. Das ergaben
Untersuchungen des Forschungsinstitutes für
Kinderernährung. Jedoch zeigten Umfragen, dass immer
mehr Kinder nur wenig Ahnung davon haben, wie
Grundnahrungsmittel, also Karotten, Kartoffeln oder ein
Stück Fleisch, im Original aussehen und zubereitet
werden. Mit verschiedenen Projekten soll nun in
Kindergärten und Schulen vermittelt werden, was in
früheren Generationen Aufgabe der Familien war.
„Fühlen, wie’s schmeckt“
heißt beispielsweise die Sinnesschulung der
Fachhochschule Fulda. Im Mittelpunkt steht, Aussehen,
Farbe und Geschmack von Nahrungsmitteln zu erforschen
und Essen zu einer Befriedigung von Körper und Psyche
werden zu lassen.
Störfaktoren
Andere „Problemfälle“ gibt es jedoch auch: Zu wenig
Bewegung an der frischen Luft, Langeweile, Ärger und
Frustration verleiten zum Essen von Süßigkeiten und
führen im wahrsten Sinne des Wortes zu Kummerspeck. Die
Ursache für Fehlernährung liegt häufig also gar nicht in
der Ernährung selbst.
Gestört werden kann der gesunde Appetit auch durch stark
reglementierte Ernährungsvorschriften. Sicher
entsprechen die Regeln zur gesunden Ernährung dem
durchschnittlichen Bedarf von Schülern. Parallel dazu
steht jedoch die Erfahrung, dass es gar nicht so einfach
ist, strikt danach zu leben. Da ist der Heißhunger auf
die Schokolade eben nicht mit einer Banane zu stillen
oder die Lust auf Pommes frites nicht mit einem
Salatteller zu befriedigen. Je mehr man sich Gelüste
verbietet oder verbieten lässt, desto mehr locken sie.
Verbote führen häufig zu heimlichen „Fressanfällen“ und
stören damit die Eigenregulationen des Körpers.
Gemeinsam statt einsam
Die Wahl der Nahrungsmittel wird außerdem von Faktoren
beeinflusst, die außerhalb der Ernährung als solcher
liegen. Für Schüler ist besonders wichtig, die
Anerkennung der gleichaltrigen Freunde und Freundinnen
zu finden. Wenn dann alle eine Cola trinken, trinkt man
eben eine mit, einfach um dazu zu gehören und nicht zum
Außenseiter zu werden.
Das Essen und Trinken miteinander, ob in der Familie
oder mit Freunden, setzt die entscheidenden
Orientierungen bei der Wahl bevorzugter Speisen. Hier
werden Ernährungsgewohnheiten geprägt, die häufig ein
Leben lang bestehen bleiben. Die Zeit für das
genussvolle und abwechslungsreiche Essen miteinander zu
investieren ist es wert, denn schließlich beeinflusst
die Ernährung von heute die Gesundheit von morgen.